Sussi Hodel

Hodel meets Hodler

Gefärbt mit einen Namen, der Assoziationen zum legendären Ferdinand Hodler weckt, widmete ich mich der eingehenden Untersuchung seiner Werke. Dabei stellte ich fest, dass die Personen in seinen Gemälden frappierende Ähnlichkeiten zu Individuen aus meinem persönlichen Umfeld aufwiesen. Diese Parallelen inspirierten mich dazu, Hodlers stilistische Techniken zu studieren und meine eigenen Freunde als Modelle für eine neuartige Werkserie zu rekrutieren. Diese Kollektion verbindet eine Hommage an Hodlers Originalität mit einer Transformation in die moderne visuelle Sprache. Die Gemälde, sämtlich in Öl auf Leinwand ausgeführt, nutzen die Spachteltechnik, um eine eindrucksvolle Textur und Tiefe zu erzielen.

See what you don't see

Wir leben im Modus der dauernden Sichtbarkeit. Profile, Feeds, Kameras – ein ständiger Blick von aussen. Die Papiertüte wird in diesen Bildern zum Gegenentwurf: ein zarter Rückzugsraum, ein Schutzschirm, eine bewusste Verweigerung des Gesichts. Wo das Sichtbarste fehlt, sprechen Körperhaltung, Abstand und Schatten. Präsenz entsteht nicht durch die Pose, sondern durch das, was zwischen den Figuren vibriert. Die Paare und Trios stehen nebeneinander und doch je für sich. Sie teilen einen Horizont, aber nicht zwingend die innere Wetterlage. Nähe ist hier keine Garantie für Verstehen – oft bleibt unklar, wie es der Partner:in geht, was noch verbindet, woran man sich festhält. Die Malerei legt diese leisen Spannungen frei: gefaltete Arme, schräg gesetzte Schultern, Hände, die ins Leere greifen; lange Schatten, die von gemeinsam verbrachter Zeit erzählen – und von der Distanz darin.

Die Tüte markiert einen Wunsch, den viele kennen: kurz unsichtbar sein dürfen. Nicht performen, nicht reagieren – einfach da sein. Und doch bleibt die Welt insistierend anwesend: Meer, Steppen, Arkaden, Wege. In diesem Wechselspiel aus Rückzug und öffentlicher Bühne verhandeln die Werke die Frage, wie Präsenz heute gelingen kann: sichtbar oder verhüllt, gemeinsam oder allein, als geteilte Gegenwart oder als paralleles Leben. Die Bilder schlagen keine Lösung vor. Sie halten den Moment, in dem alles zutrifft: Zuneigung und Müdigkeit, Vertrautheit und Fremdheit, ein „together again“ neben einem „left and lost“. Vielleicht liegt darin ihre Einladung – den Blick vom Gesicht zu lösen und auf das Wesentliche zu richten: Haltung, Gesten, den Raum dazwischen.


Theater

Diese Werke entstanden grösstenteils im Auftrag vom Theater Casino Zug. Ich besuchte während der Spielsaison 2023/2024 verschiedenste Aufführungen und malte basierend auf dem Erlebten / Gesehenen entsprechende Bilder mittels Öl auf Holz im Format 50 x 40 cm. Diese Bilder wurden für das aktuelle Programmheft als Titelbild, für die Werbung Saison 2024 / 2025, als Plakataushang sowie als Rückblick auf die vergangene Saison im Programmheft verwendet. Die Werke mit anderen Formatgrössen entstanden anlässlich früheren Aufführungen im Theater Casino Zug.