Sussi Hodel
Neuägeri
Über Menschen, Emotionen und die leisen Räume zwischen Licht und Schatten. / On people, emotions and the quiet spaces between light and shadow.
MessageCollection: See what you don't see
Wir leben im Modus der dauernden Sichtbarkeit. Profile, Feeds, Kameras – ein ständiger Blick von aussen. Die Papiertüte wird in diesen Bildern zum Gegenentwurf: ein zarter Rückzugsraum, ein Schutzschirm, eine bewusste Verweigerung des Gesichts. Wo das Sichtbarste fehlt, sprechen Körperhaltung, Abstand und Schatten. Präsenz entsteht nicht durch die Pose, sondern durch das, was zwischen den Figuren vibriert. Die Paare und Trios stehen nebeneinander und doch je für sich. Sie teilen einen Horizont, aber nicht zwingend die innere Wetterlage. Nähe ist hier keine Garantie für Verstehen – oft bleibt unklar, wie es der Partner:in geht, was noch verbindet, woran man sich festhält. Die Malerei legt diese leisen Spannungen frei: gefaltete Arme, schräg gesetzte Schultern, Hände, die ins Leere greifen; lange Schatten, die von gemeinsam verbrachter Zeit erzählen – und von der Distanz darin.
Die Tüte markiert einen Wunsch, den viele kennen: kurz unsichtbar sein dürfen. Nicht performen, nicht reagieren – einfach da sein. Und doch bleibt die Welt insistierend anwesend: Meer, Steppen, Arkaden, Wege. In diesem Wechselspiel aus Rückzug und öffentlicher Bühne verhandeln die Werke die Frage, wie Präsenz heute gelingen kann: sichtbar oder verhüllt, gemeinsam oder allein, als geteilte Gegenwart oder als paralleles Leben. Die Bilder schlagen keine Lösung vor. Sie halten den Moment, in dem alles zutrifft: Zuneigung und Müdigkeit, Vertrautheit und Fremdheit, ein „together again“ neben einem „left and lost“. Vielleicht liegt darin ihre Einladung – den Blick vom Gesicht zu lösen und auf das Wesentliche zu richten: Haltung, Gesten, den Raum dazwischen.
Sussi Hodel | [email protected] | +41 79 445 13 80
Atelier: Zugerstrasse 195 | 6314 Neuägeri | Switzerland
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