Das Bild zeigt zwei große, dominant gesetzte Blätter im Vordergrund. Sie sind in frischem Grün gehalten, mit pastosen, reliefartigen Strukturen und hellen, feinen Linien, die ihre Adern nachzeichnen. Ihre Form erinnert an Ginkgoblätter, Kelche oder geöffnetes Pflanzenwerk. Sie scheinen sich dem Betrachter zuzuwenden, als würden sie sich entfalten.
Der Hintergrund ist ein vielschichtig verwobenes Gefüge aus intensiven Farben und organischen Formen:
warme Gelbtöne, Ocker und Rot wechseln mit kühlen Blau-, Türkis- und Grüntönen
runde, ovale und bandartige Farbformen überlagern sich
eine gelbe vertikale Staffelung im Zentrum wirkt wie Stufen oder ein aufsteigendes Signal
horizontale Streifen im oberen Bereich erinnern an Flechtwerk, textile Muster oder architektonische Ornamente
Die Bildfläche wirkt nicht konstruiert, sondern wachsend — als hätten sich Farben und Formen gegenseitig in Bewegung gesetzt. Die Komposition ist dicht, doch sie bleibt offen: das Auge wandert, ohne sich zu verlieren.
Die Signatur tomo. befindet sich unten rechts.
Interpretation:
Das Werk vermittelt den Eindruck von Wachstum, Lebenskraft und organischer Vernetzung. Die zwei großen Blätter im Vordergrund wirken wie Hüterinnen oder Torblätter, die einen Blick in eine innere, lebendige Welt öffnen. Sie wirken nicht als dekoratives Motiv, sondern als Träger eines Beziehungsraumes:
zwischen Natur und Bewegung
zwischen Wachstum und Erinnerung
zwischen Innerem und Äußerem
Das Bild strahlt Herzlichkeit und Offenheit aus. Es zeigt Natur nicht als Gegenstand, sondern als Ereignis.
Die Vielzahl an runden Formen und Farbdurchdringungen erinnert an Samen, Zellen, Blütenansätze, Früchte, Wasseroberflächen – an das Mikroskopische und das Landschaftliche zugleich.
Die gelben „Stufen“ im Zentrum können als Aufstieg, Entwicklung oder Bewusstwerdung verstanden werden — wie ein heller Weg, der sich durch die Wildheit hindurch öffnet.