Das Werk zeigt eine Waldszene, die zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion pendelt. Drei markante, rötlich leuchtende Baumstämme dominieren die rechte Bildhälfte – ihre intensive Farbe wirkt fast glühend, als ob Licht unter der Rinde brennt. Diese Bäume waren die ursprünglichen Elemente des Bildes und bilden das emotionale Zentrum der Komposition.
Der Waldboden entfaltet sich in vielen Gelb-, Grün- und Ockerabstufungen. Aufgewühlte, moosartige und schollenhafte Formen überlagern sich und erzeugen den Eindruck eines natürlichen, aber auch inneren, psychologischen Geländes.
Die feinen Strukturen im Untergrund stammen vom beige eingefärbten Pinselwasser, das über die Leinwand gegossen wurde. Es hinterließ kristalline, rissartige Muster, die später in die Komposition integriert wurden und nun wirken wie lebendige Mikrostrukturen des Bodens.
Im Hintergrund öffnet sich die Szene in kühlere Blau- und Türkistöne, die an einen fernen See, Nebel oder Lichtschleier im Wald erinnern. Die starken vertikalen Linien der Bäume stehen im Kontrast zu den weich fließenden, fast impressionistischen Flächen der Landschaft.
Interpretation :
Das Werk verbindet Erinnerung, Inspiration und gemeinsames künstlerisches Erleben. Die drei roten Bäume, ursprünglich von einem Freund gesetzt, wirken wie ein emotionaler Ausgangspunkt – ein Impuls, der erst viel später seine Erfüllung fand.
Die Farbwelt verweist auf unterschiedliche Zustände:
Rot–Orange: Energie, Wärme, innere Glut
Gelb–Grün: Wachstum, Bewegung, inneres Wandern
Blau–Türkis: Weite, Reflexion, Übergänge
Die Komposition vermittelt das Gefühl eines Weges – eines realen Waldpfades ebenso wie eines inneren Weges. Die Strukturen des Pinselwassers stehen für Zufall, für Prozesse, die sich ohne Kontrolle ergeben und später Bedeutung gewinnen.
Das Bild erzählt von einem Moment der Klarheit:
Lange unvollendet, fand es nach Monaten des Wartens plötzlich seinen Abschluss – ein schönes Beispiel für deine intuitive, prozessorientierte Arbeitsweise. Es verbindet äußere Natur mit inneren Stimmungen und zeigt, wie Kunst im Dialog entsteht – mit Material, Erinnerung und geliebten Menschen.